Künstlerisches Konzept

Farbige Flächen erheben sich zu strukturierten Schichten, die durch Masse und Tiefe im Wandel des Lichts charakteristische Reliefs entfalten.

 

Farben & Flächen

Die Macht der Farben – In den Werken von Uwe Schmidt ist sie allgegenwärtig. Sattes Rot, tiefes Grau, warmes Braun und gedecktes Grün im Dialog mit antikem Silber treten dem Betrachter in großen Flächen entgegen. Leuchtend laute Farben scheinen hier fehl am Platz und tatsächlich favorisiert der Maler Uwe Schmidt gesättigte, erdverbundene und gemischte Farben, die in der Natur existieren.

Meist sind die Gemälde zweigeteilt, indem sich zwei farbige Flächen begegnen, die scheinbar miteinander kommunizieren. Häufig liegt die Betonung auf der horizontalen Linie. Mal drückt eine dunkle Farbfläche auf eine helle Fläche oder umgekehrt, mal begegnen sich die verschiedenfarbigen Flächen gleichberechtigt, mal dominiert aber auch nur eine Farbe. Bei aller Reiberei der Flächen ist der Wunsch nach ausgleichender Harmonie immer spürbar.

Experimente mit reinen Farbräumen erinnern an das Colourfield Painting der amerikanischen 1950er Jahre. Wurde beim Colourfield Painting aber die Farbe hauchdünn aufgetragen, um Raumillusionen zu vermeiden, so empfindet der Betrachter von Uwe Schmidts Gemälden die aufgetragene Farbe als massiv. Auch das sogenannte Hard Edge-Prinzip wie bei Frank Stella oder die diffusen Farbränder wie bei Mark Rothko lehnt er in seinem Werk ab. Uwe Schmidt erschafft vielmehr faszinierende Farblandschaften, die sich bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen ständig neu entfalten. Der haptische Charakter seiner künstlerischen Arbeiten grenzt sich klar von den damaligen Ideen der Farbfeldmalerei ab.

 

Schichten & Strukturen

Wie entsteht dieser reliefartige Charakter? Die verschiedenfarbigen Flächen bestehen aus scheinbar unzähligen Schichten, die im Arbeitsprozess entstehen. Zuerst grundiert Uwe Schmidt die Leinwand mit Pigmentstrukturmasse. Dann trägt er die nächsten Schichten bestehend aus Acryldispersion und Silberbronze auf. Auch Holz und Filz – ein von ihm neu entdecktes Material – finden Verwendung. Am Ende eines Arbeitsprozesses entsteht ein einzigartiges Relief. Parallelen finden sich hier zu einigen Werken von Pierre Soulages und Antonie Tapies, die gleichfalls einen haptischen Charakter aufweisen und eine Art von Relief herausbilden.

Künstlerisches Konzept

Uwe Schmidt wird von seiner Umwelt beeinflusst. Er nimmt Strukturen in seiner Umgebung wahr, die er im Atelier nachempfindet. Das für ein Werk verwendete Material entfremdet er. So wirkt zum Beispiel Filz plötzlich metallisch und Pigmentstrukturmasse hölzern. Verwitterte, abgeblätterte und zerrissene Oberflächen faszinieren ihn. Dagegen geht für ihn von glatten Oberflächen kein Reiz aus. Diese ästhetische Vorliebe lässt an die Wirkung der rostigen Stahlskulpturen von Richard Serra denken, den er wie Pierre Soulages bewundert.

Die Gemälde von Uwe Schmidt werden durch das Wechselspiel von Glanz und Mattheit dominiert, was in seiner Vorliebe für bereits „gealterte“ Oberflächen begründet liegen mag. Offensichtlich ist für den Maler auch die Zeitkomponente von Bedeutung. Ein Gemälde von Uwe Schmidt ist eine Momentaufnahme der in der Natur vorgefundenen Struktur. Durch das Fixieren des Zeitfensters, welches sich für ihn zuvor geöffnet hat, wird der kurze Augenblick auf der Leinwand festgehalten. Der Betrachter kann so an dem verewigten Moment teilhaben.

 

Viola F. Holtz M.A.